Chronisch rezidivierende Infekte
  State of the Art meets TCM
18.-19. November 2017 - Wien, Gesundheitsministerium
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Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Das 6. Johannes Bischko Symposium, das von 14.-15. November 2015 in Wien abgehalten wurde, sollte erstmals eine Liaison zwischen der klassischen westlichen Medizin (konventionelle Medizin) und der klassischen östlichen Medizin (TCM) eingehen:

Am Samstag erfuhren die Teilnehmer vom Doyen der Österreichischen Immuntherapie Univ.-Prof. Dr. Reinhart Jarisch Neues aus dem Bereich der Immuntherapie. Univ.-Prof. Dr. Andreas Temmel berichtete über die medikamentöse Therapie der allergischen Rhinokonjunktivitis und Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl berichtete in gewohnt pointierter Art über State of the Art der Asthma Therapie und zeigte, dass sich die aktuelle Asthmatherapie nach den neu aktualisierten GINA-Leitlinien nicht nur an der Kontrolle der Erkrankung, sondern auch an den Risiken, die zu einer Exazerbation führen können, orientiert. Durch das GOLD-Standard Stufenschema mit zunächst niedrig dosiertem inhalativem Cortison, bei Nichtansprechen plus langwirksamen Beta-2-Mimetika als Kombinationspräparat und bei nicht ausreichender Wirkung mit dem ganz neu auch beim Asthma zugelassenen Tiotropium erweitert, ist eine "personalisierte" Behandlung möglich. Comorbiditäten wie Asthma und Hypertonie erfordern ein besonders sorgfältiges Medikamentensetting.

Danach präsentierte Univ.-Prof. Dr. Brinkhaus von der Charite Berlin seine aussagekräftigen Studien zu Akupunktur bei allergischer Rhinitis, die u.a. dazu führten, dass bereits die American Academy of Otolaryngology in ihren Guidelines die Akupunktur als mögliches Verfahren zur Behandlung der allergischen Rhinitis empfiehlt. Die immense Bedeutung des Mikrobioms des Darms auf Allergien und die Wirkung von chinesischen Kräutern wurde von Dr. Karin Stockert erläutert. Mehrere top-publizierte Arbeiten, die die immunologische Wirkung der chinesischen Kräuter belegen, wurden vorgestellt. Eine Rezeptur bestehend aus Gan Cao, Ku shen und Ling zhi konnte die TH2 Cytokine IL4, IL5 und IL13, sowie IGE reduzieren, umgekehrt aber eine Erhöhung des TH1 Cytokins Interferon Gamma auslösen, das für die Infektabwehr und dadurch auch für die Vermeidung von akuten Exazerbationen zuständig ist, bewirken. Dr. Josef Hummelsberger stellte seine Studie mit chinesischen Arzneien bei chronischer Rhinitis und Sinusitis aus bayrischem Anbau im Vergleich zu Kräutern mit chinesischer Herkunft vor und konnte deren Effektivität in Bezug auf alle Hauptsymptome der Sinusitis und Nebensymptome, wie Infektanfälligkeit nachweisen, ohne signifikante Unterschiede zwischen bayrischen und chinesischen Kräutern. Alle Kräuter waren gut verträglich und zeigten keine Nebenwirkungen. Diese äußerst erfreulichen Ergebnisse könnten eine Motivation für heimische Bauern sein, chinesische Kräuter unter kontrollierten Bedingungen anzubauen!

Am Nachmittag wurde getastet, gestochen, gekocht, geschnuppert, gelernt, geübt, gelacht. Highlights waren Prof. Dr. Jochen Gleditsch, der in seiner liebevoll, weisen und charmanten Art praktische Tipps zur Behandlung der Allergien mit Akupunktur und MAPS gab und natürlich David Euler von der Harvard University Boston, der sein "bestechendes" Konzept der palpationsorientierten Akupunktur zeigte, das die Zuhörer begeisterte. Unsere Kubi ließ Kräuteranfänger schnuppern und kochen, während Dr. Matthias Lechner für die erfahrenen Kräuterexperten Konzepte und Rezepturen für Allergien erklärte.

Der Sonntag wurde von der Pathophysiologin Univ.-Prof. Dr. Eva Untersmayr-Elsenhuber eröffnet, die in ihrem brillanten Vortrag die Rolle der Magensäure und deren Hemmung der pharmakologische Suppression bzw. nach operativer Magenverkleinerung auf die Entstehung von Nahrungsmittelallergien erläuterte. Mit großer Klarheit wies sie aus Sicht der universitären Forschung zur Vorsicht bei der Anwendung von Protonenpumpenhemmern und Säureblockern wegen der Gefahr der Entstehung von Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen hin. Die konventionelle Medizin stellt sich daher derzeit die Frage, wie man diese Lücke schließen könne? Antwort könnte die TCM geben. Dr. Evemarie Wolkenstein und Dr. Bernd Kostner präsentierten die wunderbaren Behandlungsmöglichkeiten mit Akupunktur und chinesischer Kräutertherapie bei gastrointestinalen Beschwerden und Nahrungsmittelallergien. Lange Diskussionen nach den Vorträgen zeigten das rege Interesse und die Relevanz der Symbiose zwischen konventioneller Medizin und TCM.

Auch am Sonntag hatten die Teilnehmer am Nachmittag die Möglichkeit sich in Workshops über Akupunktur bei Prof. Dr. Alexander Meng und Dr. Daniela Stockenhuber und Kräutertherapie bei Dr. Florian Stolz fortzubilden. Dr. Gerhard Schwestka stellte uns die geniale Rezeptur Wi mei wan aus dem Shang han lun vor, die sich als äußerst effektiv bei Nahrungsmittelallergien erwiesen hat (komplette Hemmung der anaphylaktischen Reaktion im Mäuseversuch). Dr. Michaela Bijak ermöglichte dann noch mit Qi Gong einen entspannten harmonischen Ausklang dieses erfolgreichen Kongresses.

Wir freue uns schon auf das nächste STATE OF THE ART meets TCM 2017, diesmal zum Thema: Chronisch rezidivierende Infekte! - in Kürze erfahren Sie mehr!

Dr. Karin Stockert
Präsidentin der ÖGA